Medizin für Menschen – Ärzte fordern Rückbesinnung auf Heilkunst statt Profit

Niemand entkommt dem Krankenhaus. Die meisten von uns verbringen ihre ersten Lebenstage dort, sehr viele ihre letzten Wochen und Monate. Dazwischen liegen Jahrzehnte, in denen wir immer wieder auf die Kliniken angewiesen sind – wegen Kreuzbandriss, Schlaganfall, Krebs. Oder zumindest darauf vertrauen müssen, dass sie im Notfall da sind, um zu helfen. Wir alle hoffen, im Krankenhaus Heilung und Linderung zu finden.

Diese Hoffnung wird zu oft enttäuscht. Patienten und Angehörige spüren, wenn sie Ärzte, Schwestern und Pfleger an sich vorbeihasten sehen, dass an diesem Ort der Einzelne mit seinen Beschwerden und Ängsten wenig zählt. Immer wieder erschütterten vermeidbare Skandale das Vertrauen: die Ausbrüche multiresistenter Keime, die Manipulationen bei Wartelisten für Organspende-Empfänger. Oder die Berichte Angehöriger über die teils qualvolle lebensverlängernde Behandlung von Sterbenden, die eher dem Gewinn dient als dem Wohl des Todgeweihten.

Quelle: Stern, 2019

„Im Krankenhaus ist der Mensch kein Mensch mehr“

Krankenhäuser als Fabriken, die Mediziner entmündigt – so beschreibt der ehemalige Chefarzt Ulrich Hildebrandt das System privater Klinikkonzerne. Für Patienten bringe das ein hohes Risiko mit sich.Die Pflegekräfte sind überlastet, die Ärzte sollen mit strengen Vorgaben auf Rendite getrimmt werden. Der Fall des Asklepios-Konzerns zeigt eindrücklich, was passiert, wenn der Staat einen elementaren Teil der Daseinsvorsorge in die Hände von privaten Unternehmen gibt.

Quelle: Spiegel Online, 2019